Social Media – Chance, Pflichtprogramm oder nur Hype?

Social Media – Chance, Pflichtprogramm oder nur Hype?

„eBusiness oder out of Business“ lautete eine Überschrift zu einem Artikel, der mir aus meiner Zeit als Redaktionsvolontär bei einer der ersten Dotcom-Zeitschriften noch gut in Erinnerung ist. Erinnern Sie sich noch an die Diskussionen um Sinn oder Unsinn von Internet und Electronic Business?

Social Media - ein neues Puzzlestück in der KommunikationVon neuen Wertschöpfungs-ketten wurde gesprochen und Begriffe wie Data Warehousing, Online-Shops etc. machten die Runde. Während viele Unternehmen die neue Technologie als Chance für sich sahen um Kosten zu reduzieren, Kommunikation und Lieferketten zu verzahnen, schneller und gleichzeitig kundenfreundlicher zu werden, setzten andere Unternehmen lieber weiter auf Bewährtes, wie Kataloge, Artikellisten und die Kombination von Telefon und Fax.

Alles schon Jahre her und längst Geschichte? Ja und nein, denn das, was uns heute ganz selbstverständlich scheint, ist gerade mal 10 bis 15 Jahre alt. In der Zeit ist viel passiert. Während neue Unternehmen wie Amazon mit eBusiness in wenigen Jahren weltweit kaum für möglich gehaltene Karrieren gemacht haben (vgl. „The journey of Amazon“), konnten andere, wie das Unternehmen Quelle, das bei der Insolvenz 2009 sprichwörtlich niemand geschenkt haben wollte, oder Neckermann nicht mithalten. Auch wenn übertriebene Erwartungen und die Dotcom-Blase Opfer gefordert haben – nie wurden Erfolgsgeschichten in so kurzer Zeit geschrieben wie in den letzten Jahren.

Was das Ganze mit Social Media zu tun hat?

Auch heute gibt es wieder Diskussionen um das Für und Wider, gehen die Meinungen auseinander, ob man sich jetzt mit dem Thema Social Media befassen sollte, was von Facebook eigentlich zu halten sei etc.

Um es vorwegzunehmen: Die Möglichkeiten schnell bekannt und erfolgreich zu werden, Zielgruppen direkt anzusprechen, Kunden in einer Welt austauschbarer Güter und Dienstleistungen an sich zu binden sind heute größer als jemals zuvor. Gleichzeitig sind die Gefahren heute größer als jemals zuvor, den Anschluss zu verpassen. Denn im Verhältnis zur Jahrtausendwende sind die Märkte heute um ein Vielfaches schneller und die Innovationszyklen kürzer. Mit den Möglichkeiten von Web 2.0 und Mobile Media schießen neue Angebote wie Pilze aus dem Boden.

Mit den technischen Möglichkeiten wird Kommunikation grenzenlos. Der bereits zu Beginn der Internet-Ära prophezeite gigantische weltweite Marktplatz für Waren und Informationen ist Wirklichkeit. Die Kanäle und das Nutzerverhalten verändern sich rasant. Werbung, PR und Journalismus verschwimmen genauso wie Unterteilungen in Sender und Empfänger. Egal ob Twitter, YouTube, Facebook oder andere Plattformen, deren Namen heute noch kaum jemand kennt: Sie alle verändern unser Verhalten und vor allem das der neuen Generation der „Digital Natives“.

Neue Wege der Kommunikation

E-Mail für die private Kommunikation? Wozu? Verabredungen per Brief oder Telefonat? Kein Interesse! Marken mögen, die weder Fans oder überhaupt eine Facebook-Seite haben? Uncool! Produkte kaufen, in Hotels schlafen oder in Restaurants gehen, zu denen es keine (oder nur schlechte) Bewertungen bei Amazon, Holidaycheck oder Qype gibt? Selbst schuld! Und es geht weiter: Bei einem Arbeitgeber anfangen der bei Kununu schlecht wegkommt? Schwierig!

Laut einer Studie von eCircle in sechs europäischen Ländern gaben 41 % der befragten deutschen Unternehmen an, Social Media Marketing aktiv zu betreiben. Das heißt viele Unternehmen verschenken Potenziale. Übrigens, Deutschland liegt nur im Mittelfeld hinter Spanien (51 %), Großbritannien (50 %) und den Niederlanden (47 %).

Nicht den Anschluss verlieren!

Wenn Unternehmen nicht Gefahr laufen wollen, den Anschluss zu verpassen, müssten sie sich spätestens jetzt intensiver mit dem Thema befassen, denn Corporate Social Media sind ein langwieriger, stetiger und nachhaltiger Prozess. Sie setzen eine klare Strategie und Ressourcen voraus. Social Media funktioniert nicht von einem auf den anderen Tag und generiert auch keine kurzfristigen Umsätze, sondern Authentizität, Kompetenz und Vertrauen. Und das als Folge eines langfristigen und steten Engagements.

Die Entwicklung ist rasant und die Gefahr, von digitalen Vorreitern des Web 2.0 abgehängt zu werden, nicht zu unterschätzen. Im Oktober 2008 verzeichnete Facebook in Deutschland zum Beispiel noch 1,2 Millionen registrierte Nutzer. Knapp vier Jahre später meldet Facebook 29,2 Millionen deutsche Nutzer (Stand Februar 2012). Hiermit liegt Deutschland vor Frankreich und UK und ist das aktivste Social Media Land in West-Europa. Trotz negativer Medienberichterstattung und oft geäußerten Ressentiments wächst die Plattform exponentiell weiter. Digitale Vorreiter nutzen die Chance, binden Kunden als Fans, wachsen mit zweistelligen Prozentzahlen von Monat zu Monat und freuen sich über den Vorsprung, den sie gegenüber direkten Konkurrenten herausarbeiten.

Insbesondere Fotos sind interessant, wozu auch die weite Verbreitung von Smartphones mit guten Kameras beiträgt. 300 Mio. Fotos werden im Durchschnitt weltweit pro Tag auf Facebook veröffentlicht. Fotos werden mit Anwendungen wie Instagram, Lightbox und eigenen Facebook Apps immer attraktiver und binden Nutzer aktiv ins Geschehen ein.

Facebook meldet übrigens in seinem Marketing-Leitfaden lakonisch:
„Wer nicht hingeht, für den findet die Party auch ohne ihn statt. Die Marke wird besprochen, belächelt und beklatscht. Sie bekommt Komplimente und wird kritisiert. Für den Inhaber der Marke heißt das, in den Dialog über sich einzusteigen, sonst findet das Gespräch ohne ihn statt. Klassische Instrumentarien der Einwegkommunikation funktionieren hierbei nicht. Interaktion mit zielgruppenrelevantem Content, der schnell erfassbar ist und die soziale Relevanz der Marke stärkt, wird das Image einer Marke in die Zukunft tragen.“

Tipp zum download:
Der
Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. BITKOM hat 2010 einen Social Media Guideline herausgegeben, der eine erste Orientierung für Unternehmen bietet.

Viel Erfolg

Ihr Reiner Kolberg

By |2012-09-15T20:16:00+00:00September 15th, 2012|Categories: Nachhaltigkeit|Tags: , , , |0 Comments

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