Kommunikationsbedarf für die Fahrradbranche?!

Kommunikationsbedarf für die Fahrradbranche?!

„Unverändert leidet die Fahrradbranche darunter, dass ihr Angebot für den Verbraucher weder vom Preis noch von der Ware her durchschaubar ist“,
darauf weist die Zeitschrift Absatzwirtschaft in einem Artikel hin.

Marketing-Kommunikation mit Luft nach oben

Insbesondere bei den Herstellern sieht die Zeitschrift noch Optimierungspotenzial:
„Bei der Aufgabe, dem Publikum zu erklären, dass Rad nicht gleich Rad ist, ist der Handel weitgehend auf sich selbst gestellt. Herstellerwerbung, die in anderen Branchen Wertvorstellungen schafft und Marken und Modelle bekannt macht, wird so gut wie nicht betrieben.“

Eine treffende Zustandsbeschreibung? Vielleicht. Aber nicht so vorschnell, denn der Artikel „Fahrrad-Markt: Gemeinsam strampeln“ stammt tatsächlich aus dem Jahr 1986. Einer Zeit also, als gerade die ersten Privatsender ins Leben gerufen wurden, Mobiltelefone Kästen mit Tragegriff und angeschlossenem Telefonhörer waren und die kommerzielle Nutzung des Internets noch nach Science Fiction klang.

Auch das folgende Fazit der Absatzwirtschaft könnte zur Beschreibung der aktuellen Situation passen:

„Nicht durch mehr Menge, sondern höchstens durch mehr Wert könnte die Fahrradbranche wachsen. Dazu müssten Hersteller und Händler für Transparenz bei Ware und Preis sorgen, und zwar gemeinsam. Doch es mangelt an Teamgeist.“

In der Tat ist der Wille zur Zusammenarbeit zum Nutzen aller lange nicht so ausgeprägt, wie in anderen deutschen Branchen. Es geht natürlich anders. In der Fahrradbranche zeigt Taiwan sehr erfolgreich, wie sich Interessen und Stärken bündeln lassen – mit Blick auf die Erschließung neuer Märkte ebenso wie im gemeinsamen Bestreben nach mehr Qualität in allen Belangen.

In der Praxis fehlt hierzulande manchmal (natürlich nicht bei allen Unternehmen und Marken) der Sinn für die Wertigkeit des Produkts – inklusive Präsentation und Kommunikation. So liest sich beispielsweise manche Produktbeschreibung eher wie ein technisches Datenblatt von Fachleuten für Fachleute. Eine Beschreibung des Nutzens fehlt oft ebenso wie ein sicheres Gespür dafür, wer denn die neue Zielgruppe ist, die man mit seinen Produkten erreichen will, wie man sie erreicht und wo. Das lässt neben manchem Händler vor allem auch viele Kunden verzweifeln, die gerne kaufen, vom unübersichtlichen Angebot allerdings zunehmend überfordert sind.

Gerade in Bezug auf die boomenden E-Bikes gibt es in der Fahrradbranche Nachholbedarf. Viele Kunden haben seit Jahren oder Jahrzehnten zum ersten mal wieder intensiver Kontakt mit dem Thema Fahrrad und ein entsprechend großes Informationsbedürfnis. Das erklärt auch die Vielzahl an Fahrrad- und E-Bike-Fachzeitschriften auf dem Markt und das wachsende Onlineangebot.

Die richtigen Strategien für die Zukunft

Fahrraeder Messepraesentation

Markenwert? Bei vielen Verbrauchermessen läuft die Kommunikation ausschließlich über den Preis.

Viele Branchenexperten rechnen in den kommenden Jahren mit größeren Marktbereinigungen bei Herstellern und Händlern. Angesichts stagnierender Fahrradverkäufe, einem absehbaren Ende der Boomzeiten bei E-Bikes und neuer Konkurrenz – auch aus der Automobilbranche – eine wohl berechtigte Annahme.
Auch wenn eine insgesamt positive Marktentwicklung absehbar ist, muss mit Gewinnern und Verlieren gerechnet werden. So sieht der BBE „Market monitor: bicycles 2012/13“ eine weitreichende Konsolidierung. Im vergangenen Jahr deuteten verschiedene Insolvenzen (z.B. UltraMotor, Steppenwolf, Poison Bikes) und Übernahmen (z.B. durch die PON- und Accell-Gruppe) bereits in diese Richtung.

Viele Marken und Hersteller setzen leider immer noch darauf, dass der E-Bike-Markt weiter boomt und sich im Nachfragemarkt E-Bike auch ohne großes Zutun durch Katalog, Website, Marketing, Pressearbeit und Social Media gute Gewinne erzielen lassen. Angesichts zunehmenden Wettbewerbsdrucks, immer neuer Marktteilnehmer und starker Unternehmen wie Smart oder Bosch, die neue Benchmarks bei der Qualität der Produkte und der Kommunikation definieren, werden inzwischen allerdings vielfach warnende Stimmen laut und selbst Fachmedien wie velobiz.de und Radmarkt fragen sich, was passiert, wenn aus dem Nachfragemarkt E-Bike ein Anbietermarkt wird.

E-Bikes sind bei Social Media schwach vertreten

Produkte, Strategie, Kommunikation, Design und Interaktion müssen im Einklang stehen, wenn Marken als solche wahrgenommen werden möchten und morgen noch Erfolg haben wollen. Der gezielte Einsatz von Social Media bietet hier beispielsweise viele Potenziale und sollte in Zeiten des Web 2.0 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
How Social Is Your (E-)Bike? fragte die Berliner Agentur Zucker.Kommunikation in einer Studie zusammen mit dem Zweirad-Industrie-Verband ZIV. Das ernüchternde Ergebnis: Trotz des großen Erfolgs von E-Bikes finden sich in den sozialen Medien noch sehr wenige Berührungspunkte. Ausnahmen bilden Portalangebote mit eigenen Facebookseiten wie zum Beispiel  Elektrobike-Online oder e-bikeinfo.de. Hersteller und Handel sind dagegen mit eigenen Angeboten kaum vertreten und liegen damit deutlich hinter vergleichbaren mittelständisch geprägten Branchen zurück.
Damit werden wichtige Potenziale verschenkt, denn Social Media eignet sich exzellent um das Image von E-Bikes gerade zu rücken und jüngere Zielgruppen und Käuferschichten zu erreichen.

Guter Content als Basis für Social Media

Die Themen Fahrrad und E-Bike bieten  eine Vielzahl möglicher Anknüpfungspunkte für gelungene Kommunikation. Verständliche Texte, Informationen und vor allem Bilder sind das A und O. Eine SEO-optimierte Website, auf der „E-Bike“ zum Beispiel in Kombination mit oft von Nutzern gegoogelten Begriffen vorkommt wird gefunden. Social Media verbessert das Ranking und zieht Traffic. Interessante „Social“ Videos sind fast schon die Königsklasse, allerdings keineswegs ein Luxus. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass sie am meisten zum Markenerlebnis beitragen und die höchsten Kaufimpulse setzen.

Mehr von mir zum Thema Online-Marketing und Social Media gibt es in der Dezember-Ausgabe des „velobiz.de Magazin“ unter dem Titel „Social Media: Nur ein Zeitgeistphänomen?“

Leistungen im Bereich PR und Content inkl. Text und (Bewegt-)Bildern, Social Media-Beratung und Umsetzung auf Anfrage.

Reiner Kolberg

By | 2015-04-01T23:18:18+00:00 Dezember 15th, 2012|Categories: Fahrradbranche|Tags: , , , |0 Comments

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